Richdales Vier Gesetze der Informationstechnologie

1.) Spielzeug gewinnt.

“Spielzeugtechnologien” gewinnen auf lange Sicht, weil sie nicht als Bedrohung wahrgenommen werden. Sie werden zugelassen, aber gleichzeitig nicht unter Patent- oder Formatverschluss gestellt, mit offiziellen Standards versehen und dienen somit als Einfallstor für enthusiastische frühe Nutzer. Dies passiert auch dann, wenn diese Spielzeugtechnologien zu Beginn schwerer zu handhaben oder technisch unterlegen sind. Sobald diese Technologien als Bedrohung wahrgenommen werden ist es bereits zu spät und sie sind schon dabei, den Markt zu erobern.

Beispiele: x86 (PC) Architektur, HTML/CSS/JavaScript vis-a-vis plattformspezifische Technologien, WordPress vis-a-vis dem Rest, etc.

2.) Unhandlich und unterlegen gewinnt, wenn die Einstiegshürde geringer und die Notwendigkeit einer Lösung dringend ist.

Sind sonstige Kriterien gleichwertig, gewinnt die Technologie, die leichte, domänenspezifische Lösungen für aktuelle dringende Probleme bietet und Neulingen auf dem Gebiet geringere Einstiegshürden aufweist, selbst wenn diese Technolgie gegenüber ihren Konkurenten unhandlich und technisch unterlegen ist. Andere Technologien werden eine besondere Variante des “war zu früh da” Syndroms erfahren. Die Eigenschaften der überlegenen Technologie werden dann, mit der Zeit und graduell, in die Technologie eingeführt, die gewonnen hat.

Beispiele: PHP vs. JSP/ASP, Apache vs. den Rest, VHS vs. Video 2000, SQL vs. den Rest (als Persistenz in Applikationen), Ethernet vs. den Rest, TCP/IP vis-a-vis Novell, IDE/SATA vs. SCSI, etc.)

3.) FOSS (Freie Quelloffene Software) gewinnt.

Sind alle anderen Kriterien gleichwertig, bevorzugen Experten Freiheit gegenüber technogischer Raffinesse. Ist eine freie, quelloffene Software oder Technologie funktional, wenn auch messbar einer gleichzeitig vorhandenen proprietären Lösung unterlegen, bevorzugen Experten und Meinungsführer die quelloffene freie Version, auch wenn dies Eingangs ein Verlust der bequemen Handhabung bedeutet.

Meinungsführer in der IT verlassen sich nicht auf Technologien die sie nicht selbst kontrollieren können, sollte einmal dafür der Bedarf erwachsen.

Beispiele: x86 Linux Server Hosts vs. den Rest, HTML5 vs. Flash, Android vs. den Rest, web-zentrisch vs. Anbieter-zentrisch, etc.

4.) Proprietäre, nicht-quelloffene Software stirbt immer aus.

Über eine ausreichend lange Zeit hinweg wird Software entweder frei und quelloffen, öffentliches Eigentum oder sie stirbt aus.

Freie und öffentliche Software kann auch aussterben, dies ist aber, ander als bei nicht-quelloffener Software, keine zwingende Notwendigkeit.

Dies hat auch mit der Natur von proprietärer Software zu tun, da oft der einzige Grund, eine Software nicht quelloffen zu machen, der Gewinn durch Verkauf/Lizensierung der Software ist (Beispiel: MS Office). Wenn mit dem Verkauf einer Software kein Geld mehr verdient werden kann, verschwindet ggf. auch der Grund, die nicht-quelloffene Software am Leben zu lassen. Es ist in der Tat in bestimmten Situationen zumindest finanziell sinnvoller die Software sterben zu lassen und ihren Quelltext nicht zu veröffentlichen.

Dies bedeutet wiederum, dass proprietäre Software langfristig den Markt dominieren kann, wenn sie rechtzeitig vor ihrem Tod frei und quelloffen wird (Beispiele: Blender, StarOffice->OpenOffice->LibreOffice)