SEO – Eine Begriffsklärung

Seit etwa zwei Jahrzehnten macht ein seltsamer Begriff im Dunstkreis des Themas Web­entwicklung die Runde. Ein Begriff der bei professionellen Webentwicklern mitunter einen schaalen Nachgeschmack und das Gefühl von schmierigen Gebraucht­wagen­händlern und Graumarkt Deals mit gefälschten Modelabels und Parfüm­marken hinterlässt. 

Der Begiff ist “SEO“.
Search Engine Optimisation.
Suchmaschinenoptimierung auf deutsch.

Das erste Problem mit diesem Begriff ist, dass eigentlich jeder, der diesen Begriff benutzt, etwas anderes meint. Ich würde sagen, dass weit über 99% der “SEO Profis” und der Berater, die “ein gutes SEO brauchen” nicht so genau wissen, was SEO ist und SEO auch nicht meinen. Die meisten, die den Begriff SEO verwenden, reden über etwas, dass ich am ehesten als “Google Platzierung” bezeichnen würde. Und, ja, richtig, es gibt eine ganzen Drittmarkt der entstanden ist um das dringende Bedürfnis, den brennenden Durst nach “Google Platzierung” bei Kunden zu befriedigen. Und die Lieferanten hierfür bedienen diesen Markt für Google Platzierung mit ausgefeilten und zum Teil auch beindruckenden Methoden und Angeboten. Oft aber auch mit Schrott und Placebo­angeboten.

Nur passen diese Angebote erstmal nicht zwingend zu dem Begriff SEO, auch wenn das oft so dargestellt wird.

Eine Abgrenzung von Begriffen und Konzepten

Interessanterweise bedeutet Suchmaschinen­platzierung – oder deutlicher: Google Platzierung – eine möglicherweise echte “Suchmaschinen­optimierung” an einigen Stellen eher zu vernachlässigen. Ein Beispiel: Meta Keywords – eine HTML Code­spezifikation die Explizit zur Optimierung von Websuchen vorgesehen ist – werden heutzutage in der Webentwicklung vernachlässigt, weil ein einzelner Suchmaschinen­anbieter (Google) sie nicht mehr oder kaum noch auswertet. Und *für* Suchmaschinen oder gar eine ganz bestimmte Suchmaschine zu “optimieren” ist bestenfalls fadenscheinig und oft schlicht unprofessionell. Mit SEO hat das nichts zu tun. Das Google Meta Keywords nicht auswertet, ist erstmal nur Googles Problem.

Wer macht was?

Es ist nicht die Aufgabe von Webentwicklern Suchmaschinen zu optimieren. Das ist die Aufgabe von Entwicklern, die Suchmaschinen bauen. Die Aufgabe von Webentwicklern ist es, korrekte Websites und Web­applikationen zu bauen. Dazu gehört selbstverständlich auch die Inhalte so zu coden, das sie semantisch korrekt angeboten werden und die Bereitstellung dieser Inhalte den Standards und vorgesehenen Methoden entspricht und abenteuerliche Experimente, die eigentlich immer die Semantik und “Suchbarkeit” stören, vermieden werden.

Dazu gehört auch eine vernünftige Beratung und Einführung des Kunden in das semantisch korrekte Web. Und dazu gehören auch Meta Keywords, Schema.org Verschlagwortung, Daten­last­optimierungen und ähnliche Dinge, die natürlich auch bei guten Suchmaschinen einen positiven Einfluß auf die Rang­ordnung haben, keine Frage. Und verstehen Sie mich nicht falsch: Google ist eine sehr gute Suchmaschine und es schadet ganz gewiss nicht, auf Google zu hören und Googles Rat zu befolgen, wenn man seine Inhalte suchmaschinen­gerecht bereitstellen will. Google weiß tatsächlich wovon es spricht.

Darüber hinaus ist es auch die Aufgabe der Webentwicklung, bei mächtigen Suchmaschinen dafür zu sorgen, dass diese über die betreffende Webpräsenz informiert sind und Gelegenheit haben, bereitgestellte Inhalte zu indexieren.

Das alles ist aber nicht irgendeine Pseudomagie mit der heute üblichen Bezeichnung “SEO”. Das ist schlicht und ergreifend professionelle Webentwicklung.

Der Webauftritt hat erstmal überhaupt nichts mit Google zu tun

Wenn ich die perfekte Website baue, mit den perfekten Inhalten und 100% sauberen Code und sauberer Semantik und lupenreiner Verschlagwortung und Google nach dem ersten Indexparse meinen Spezialinhalt bei korrekter Suche nicht findet, dafür aber irgendeine Schrott­website im Suchrang höher einordnet, oder – mitunter gar schlimmer – nur Ergebnisse präsentiert, für deren Darstellung andere Google bezahlt haben, dann ist es ganz sicher nicht die Website, die optimiert werden muss, sondern Google. Und das können bekanntlich nur die Google Entwickler.

Und wie kann ich jetzt eine gute Website bauen, die gut gefunden wird?

Ganz einfach: Saubere Webentwicklung, sauberer code, saubere Präsentation,  sinnvolle Inhalte, abenteuerliche Experimente und Tricksereien vermeiden, Web­applikations­technologien nur dort einsetzen, wo es auf Funktion und nicht auf externe Inhalts­indexierung ankommt und überhaupt, schlicht und ergreifend gute und repräsentative Arbeit bei der Inhalts­präsentation im Web machen.

Dann wird alles gut.

Wer bei Google oder anderen Unternehmen punkten will, kann sich als Webmaster registrieren und anmelden, die frische URL eintragen, eine Indexierung erbeten, Schlüssel­wort­werbung einkaufen – bei Google heißt das Produkt dazu passend “Adwords” – und vielleicht noch spezielle Tips und Angaben der Suchmaschinenanbiert befolgen oder auch Inhalte zusätzlich in einem von der Suchmaschine vorgeschlagenem Format bereitstellen. Google AMP wäre zum Beispiel ein solches. Suchmaschinen mögen es natürlich, wenn man Ihnen Honig um den Bart schmiert oder gar bei Ihnen Aufmerksamkeit einkauft – da ist Google keine Ausnahme. Google verdient sein Geld damit. Nur hinters Licht führen – das geht eben schief.

Wer meint, er könnte Google austricksen, irrt sich

Das, was heute als “SEO” bezeichnet wird, ist eine Produkt- und Dienstleistungs­­palette, die tendenziell unseriös angibt, Google im Bezug auf die Bedeutung der eigenen Inhalte im Gesamt­kontext des von Google indexierten Web täuschen oder, sagen wir, zu eigenen Gunsten beeinflussen zu können. So als ob man für einen guten Kumpel ein gutes Wort einlegt und einen positiven Effekt erwartet, unabhängig davon, wie dieser Freund im Vergleich zu anderen abschneidet.

Das funktiert so nicht. Das zu glauben ist naiv.

Google hat Petabytes an Suchanfragen und Milliarden von aktiven Nutzern. Die Heuristik großer Anbieter im Bezug auf Nutzerverhalten ist im Bezug auf die Größenordnungen von Otto-Normalo faktisch unfehlbar. Google in seiner Präzision seines Rankings beeinflussen zu wollen, ist, als ob man eine Sturmflut mit einem Beutel Blumenerde aufhalten wollen würde. Google ist als Suchmaschine so mächtig geworden, dass es faktisch das Web als seinen Onlinedienst übernommen hat. Es gibt unzählige Webnutzer, die zwischen dem Web und Google schlicht nicht unterscheiden können. Und das schon seit weit mehr als 10 Jahren.

Das ist ein ganz anderes Problem und dem ist ganz sicher nicht mit der Sache beizukommen, die die allermeisten Leute heute mit dem Begriff SEO bezeichnen würden. Auch wenn Sie damit Google Platzierung meinen.


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